2017: Weichenstellungen für die Kernenergie in Deutschland

01.12.2017

Liebe Mitglieder der KTG,
ein turbulentes Jahr neigt sich dem Ende entgegen. In 2017 erfolgten in Deutschland wichtige Weichenstellungen, vor allem für die abschließenden Lebenszyklen unserer Kernkraftwerke: dem Rückbau und der Entsorgung radioaktiver Abfälle:

  • In verschiedenen Bundesländern haben die zuständigen Umweltministerien weitere Stilllegungs- und erste Abbaugenehmigungen erteilt, die den eingeschlagenen Weg für einen direkten Rückbau der kerntechnischen Anlagen unterstützen.
  • Der Vorschlag der Expertenkommission zur Entsorgung radioaktiver Abfälle wurde von der Bundesregierung übernommen und das entsprechende Gesetz von Bundestag und Bundesrat gebilligt: Der Staat übernimmt die Verantwortung für die Zwischen- und Endlagerung. Dafür wurden von den Versorgern signifikante Mittel an den staatlichen Rückbaufond überwiesen. Die EVUs bleiben für Stilllegung, Rückbau und Abfallverpackung zuständig.
  • Der Bundestag hat das Endlagersuchgesetz für hochaktiven Abfall beschlossen. Es legt Kriterien und Ablauf für die Auswahl eines Standorts fest, der bis 2031 gefunden werden und Mitte des Jahrhunderts in Betrieb gehen soll. Zunächst werden Wissenschaftler anhand vorliegender Daten Regionen auswählen, die nicht in Frage kommen, danach werden – bestimmten Mindestanforderungen entsprechende – Gebiete untersucht. Die Forderung, dass hoch aktive Abfälle 500 Jahre lang „rückholbar“ sein sollen, dokumentiert anschaulich den Bedarf der langfristigen Vorhaltung kerntechnischen Know-hows.

Betreiber, Hersteller, Behörden und Gutachter, Lehre und Forschung verbindet nach wie vor ein zentrales Thema: Das kerntechnische Know-how muss in Deutschland erhalten werden, um unter anderem:

  • den verbleibenden Leistungsbetrieb, den Nachbetrieb, die Stilllegung und den Rückbau deutscher Anlagen sicherzustellen und die Entsorgungsfrage nachhaltig zu lösen,
  • das Exportgeschäft deutscher Anbieter und Dienstleister zu sichern,
  • nationale und internationale Sicherheitsbewertungen durchführen zu können und
  • auch in Zukunft den Beitrag deutscher Standards und Innovationen zu internationalen Entwicklungen für neue Technologien erhalten zu können.

Auch in 2017 war für uns das Thema Kompetenzerhalt wieder ein Schwerpunktthema, das in den unterschiedlichen Formaten unserer Jahrestagung Kerntechnik reflektiert wurde; dabei setzen wir auf den fachlichen Dialog zwischen nationalen und internationalen Wissensträgern. Auch das Deutsche Atomforum hat in diesem Jahr eine Veranstaltung der Reihe „Energie im Dialog“ dem Thema gewidmet. Ziel ist, dass sich Betreiber, Hersteller, Behörden und Gutachter, Lehre und Forschung noch besser vernetzen und unter Umständen auch neue Kooperations-Formate entwickelt werden müssen, um das Know-how und Know-why in Deutschland über Generationen hinweg sicherstellen zu können. 

Unsere KTG ist bereits ein gutes Beispiel für diese interdisziplinäre Zusammenarbeit und Vernetzung. Wir können sicherlich beim Aufbau eines breiten „Kompetenzverbundes“ helfen.

Bemerkenswert für 2017 ist auch, dass die Deutsche Rechtsprechung „ideologiefrei“ z. B. Urteile zur „Durchsetzung von Castor-Transporten auf dem Neckar“ oder die „Nichtrechtmäßigkeit der Brennelement-Steuer“ verkündet hat.

Unsere KTG
In vielen Gesprächen mit Mitarbeitern der Kerntechnik (KTG-Mitglieder und Nicht-Mitglieder) wurde EINE Frage bezüglich der Mitgliedschaft in unserem Verband am häufigsten gestellt: „Was ist drin für MICH?“. Die Frage nach unserem „Mehrwert“ müssen wir zukünftig noch besser und mit mehr „Inhalt“ beantworten. Eine zielorientierte Kommunikation, mit „Mehrwert“ für unsere Mitglieder, muss die Attraktivität unseres Verbandes verbessern. Wir werden in der Zukunft unseren technisch fundierten Standpunkt zu aktuellen Themen deutlich und ohne politische Polemik in unseren KTG-Foren, wie dem Internet oder der „atw“ kundtun. Auch wenn „WIR“ in der KTG sehr verschieden sind, haben „WIR“ gemeinsame Interessen und Ziele. Und dazu müssen „WIR“ unseren Dialog untereinander aber auch mit unseren „Brüdern im Geiste“ verbessern und gemeinsam müssen wir die Frage nach dem „Was ist drin für MICH?“ beantworten. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen bedanken, die sich im (fast) abgelaufenen Jahr erneut für unsere KTG engagiert haben. Ich denke hier u.a. an:

  • Die Jahrestagung Kerntechnik, für die unsere KTG im Programmausschuss erneut ein exzellentes und hochaktuelles Programm vorbereitet hat und Referenten mit hochinteressanten Beiträgen gewinnen konnte.
  • Die engagierte Arbeit in den Untergliederungen. Vieles in unserer Verbandsarbeit lief auch in 2017 richtig toll: Die Sektionen organisierten spannende Vorträge und Exkursionen, viele Fachgruppen mobilisierten eine breite Teilnehmerschaft an interessanten Fachtagungen, die „Junge Generation trifft sich regelmäßig zu Exkursionen, Vorträgen und zum „Netzwerken“.
  • Die ausgezeichnete Arbeit unseres Beirates. An dieser Stelle möchten wir uns besonders bei Dr. Wolfgang Steinwarz für seine jahrzehntelanges Engagement in der KTG und seine hervorragende Arbeit als Vorsitzender des Beirates auf das Herzlichste bedanken. Wir freuen uns, dass wir Dr. Hans-Georg Willschütz für die Aufgabe des Beiratsvorsitzenden gewinnen können und wünschen ihm viel Erfolg für seine Arbeit.

Für die herausragenden Leistungen für die deutsche Kerntechnik haben wir Dr. Steinwarz bereits im Jahr 2016 die KTG-Ehrenmitgliedschaft verliehen. Im Jahr 2017 haben wir Reinhold Scheuring als Ehrenmitglied der KTG ausgezeichnet und würdigten damit den Leiter des Kernkraftwerkes Grafenrheinfeld für seine Verdienste als technisch hochversierten Fachmann mir großer sozialer Kompetenz. Reinhold Scheuring hat sich während seines gesamten Berufslebens für die Kerntechnik in Deutschland und die Beschäftigten der Branche verdient gemacht. Dabei hat er zu keiner Zeit gescheut, Sachzusammenhänge auch im öffentlichen Diskurs im Interesse der Branche und der Mitglieder der KTG zu vertreten. (siehe auch „Laudatio …“).
Der KTG-Vorstand hat in 2017 eine Ressortaufteilung vorgenommen. So wird sich Dr. Erwin Fischer neben seiner formalen Position als Schatzmeister der KTG um die Untergliederungen kümmern, Prof. Dr.-Ing. Marco K. Koch als Stellvertretender Vorsitzender der KTG ist unser Verbindungsmann zur „Young Generation“, Dr. Walter Tromm betreut die Forschungsförderung, Dr. Jens Schröder leitet den Programmausschuss des AMNT und Frank Apel als KTG-­Vorsitzender übernimmt das Ressort Kommunikation. Gerade in Zeiten großer Herausforderungen ist der Beitrag unserer KTG-Mitglieder, die sich persönlich mit großem Engagement für Kerntechnik „Made in Germany“ einbringen, nicht hoch genug zu würdigen. Dafür möchten wir uns auch an dieser Stelle nachdrücklich noch einmal bedanken. Wir gehen auch weiterhin davon aus, dass die Unternehmen und Organisationen, in denen unsere ehrenamtlichen Mitglieder arbeiten, diese KTG-Tätigkeit wertschätzen. Was die Mitglieder der KTG verbindet, ist die „Faszination Kerntechnik“. Lassen auch Sie sich davon anstecken …
Ich wünsche Ihnen und Ihren Angehörigen, Freunden und Bekannten eine besinnliche Adventszeit, ein Frohes Fest sowie Gesundheit und Erfolg im Neuen Jahr

Frank Apel
KTG-Vorsitzender

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