Editorial von Dr. Helmut Bläsig
- Vorsitzender der Kerntechnischen Gesellschaft e. V. -
atw Heft 07 (2010)
Liebe Mitglieder,
Durch das Ergebnis der mit Spannung erwarteten Bundestagswahl 2009 ist eine wesentliche Voraussetzung für eine positive Zukunft der Kernenergie erreicht. Anders als die letzten Wahlprognosen, die eine schwarz-gelbe Regierung für fraglich hielten, erreichten Union und FDP am Wahlsonntag doch eine passable Mehrheit.
Wir können nun hoffen, dass die neue Regierung die gewaltigen Aufgaben u.a. in der Energie- und Klimapolitik anpackt. Wir vertrauen darauf, dass die künftige Regierung die Weichen für eine Laufzeitverlängerung aller Kernkraftwerke stellt. Dies ist ein wichtiger Schritt, denn wir brauchen neben den regenerativen Energien und der Kohle auch die Kernenergie.
Die beiden Parteien, die die neue Regierungskoalition stellen werden, kündigten bereits in ihren Wahlprogrammen an, die Laufzeitverkürzung unserer Kernkraftwerke nach der Amtsübernahme rückgängig machen zu wollen. Denn 7 der 17 Anlagen würden nach dem noch geltenden Ausstiegsbeschluss in der kommenden Legislaturperiode vom Netz gehen. Nach Jahren des Stillstands, in denen die Fronten zwischen Union und SPD beim Thema Atomkraft verhärtet waren, ist das endlich wieder ein positives und motivierendes Signal für unsere Branche.
Ein weiteres dringendes Thema, das die neue Regierung nun rasch in die Hand nehmen muss, ist die Entscheidung, wie es nach verlorenen Stillstandsjahren bei der Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle weitergehen soll. Nach 10 Jahren Gorleben-Moratorium ist der Weg nun frei, eine sachliche Klärung der drängenden Aufgabe herbeizuführen. Die Politik ist deshalb gefordert, die Weitererkundung des Standortes Gorleben aktiv voranzutreiben, bis dessen Eignung endgültig geklärt ist.
Für schwach- und mittelradioaktive Abfälle wurde mit Schacht Konrad bereits ein geeignetes Endlager gefunden. Für hochradioaktive Reststoffe ist dies auch möglich, denn das Wissen und die Technik hierzu besitzen wir. Die bisherigen Erkundungsergebnisse zu Gorleben sind vielversprechend. Die kommenden Jahre müssen nun intensiv dazu genutzt werden, endgültig die Erkundungen im Salzstock abzuschließen.
Eines ist jedoch klar – es wird kein einfacher Weg sein für die neue Regierung. Starker Gegenwind droht von den künftigen Oppositionsparteien ebenso, wie von den bekannten Gegnern der Kernenergie.
Bereits im Vorfeld der Bundestagswahl und erst recht danach wurde zu Massenprotesten gegen Laufzeitverlängerung aufgerufen. Wenn es zur Laufzeitverlängerung kommt, müssen wir im Gegenzug in den kommenden Wochen und Monaten erneut beweisen, dass das durch die Politik in uns gesetzte Vertrauen gerechtfertigt ist. Lassen Sie uns alle dazu beitragen!
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